Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Die umfassende Diagnostik und Therapie von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) ist einer unserer klinischen Schwerpunkte.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen treten meist bei jungen Menschen auf. Die Ursachen sind noch nicht genau geklärt, Umwelteinflüsse und genetische Faktoren scheinen dabei jedoch eine Rolle zu spielen.

In den meisten Fällen findet sich ein schubförmiger Verlauf. Neben gastrointestinalen Symptomen können extraintestinale Manifestationen wie Arthritiden, Erythema nodosum, Uveitis, PSC und Sakroiliitis auftreten. Nicht selten sehen wir bei unseren Patienten auch eine substitutionspflichtige Eisenmangelanämie.

Diagnostik

Zur Erfassung der Krankheitsaktivität, Lokalisation, Stenosen im Dünn- und Dickdarm sowie weiteren Komplikationen führen wir moderne bildgebende Verfahren wie Sonographie, MRT nach Sellink, MRT Becken und CT durch.

Ein weiterer essentieller Bestandteil der Diagnostik ist die Endoskopie (Gastroskopie, Koloskopie), sowohl bei der initialen Diagnosestellung als auch im Rahmen von Verlaufskontrollen.

Therapie

Die Behandlung von chronischen entzündlichen Darmerkrankungen erfordert ein individuelles Konzept für jeden Patienten und richtet sich nach Befallsmuster, Krankheitsaktivität, Alter, Komorbiditäten, Nebenwirkungsprofil und Ansprechen auf vorangegangene Therapien.

Dabei kommt auch das Treat-to-Target- Prinzip zur Anwendung, bei dem ein bestimmtes Therapieziel festgelegt wird. Dieses sollte regelmäßig kontrolliert werden, bei Bedarf kann eine Anpassung der Therapie erfolgen, um im Idealfall eine Remission zu erreichen.

Folgende medikamentöse Therapieoptionen stehen uns dabei zur Verfügung:

  • Topische und systemische Kortikosteroide
  • Aminosalicylate
  • Immunsuppressiva wie Azathioprin/ 6-Mercaptopurin und MTX
  • Biologika
    • TNF-α- Blocker (Infliximab, Adalimumab und Golimumab)
    • Integrin-Inhibitoren (Vedolizumab)
    • Anti-IL12/23- Inhibitoren (Ustekinumab)
    • JAK-Inhibitoren (Tofacitinib) bei der Colitis ulcerosa

Zur Therapieoptimierung nutzen wir auch das Therapeutische Drug Monitoring, d.h. bei bestimmten Biologika können Medikamententalspiegel und Antikörper im Blut bestimmt werden. Die Behandlung kann dann individuell angepasst werden, ggf. muss die Dosis erhöht oder auf ein anderes Medikament gewechselt werden.

Nicht in allen Fällen reicht eine medikamentöse Therapie aus. Auch operative Verfahren (wie z.B. Proktokolektomie bei der Colitis ulcerosa, Behandlung von Komplikationen beim M. Crohn wie Fisteln, Stenosen oder Abszesse) haben einen großen Stellenwert in der Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Es besteht hier eine enge Kooperation mit den Kollegen der Chirurgie. Komplexe Fälle werden in regelmäßigen Konferenzen interdisziplinär mit Gastroenterologen, Chirurgen und Radiologen besprochen um den Patienten das bestmögliche Therapiekonzept anzubieten.

Wissenschaftliche Aktivität und Fortbildung

Für ein besseres Verständnis der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nehmen wir an verschiedenen klinischen Studien zur medikamentösen Therapie (u.a. Phase III-Studien) teil, weiterhin sind wir auch im Bereich der Grundlagenforschung aktiv.

Im Rahmen von interdisziplinären Seminaren tauschen wir uns regelmäßig mit den Kolleginnen und Kollegen der Rheumatologie und Dermatologie aus.